Thorben Schütt
Coaching für Entscheider
Kostenloser Guide

Stuck im Middle
Management

Sieben Ansatzpunkte, wenn du dich zwischen Team und Geschäftsführung gefangen fühlst, mit Hintergründen aus Forschung und aus meiner Coachingpraxis.

Thorben SchüttCoach für Führungskräfte, Einzel- und Gruppencoaching
Einordnung

Warum genau das Middle Management am stärksten unter Druck steht

Ein Coachee beschrieb mir kürzlich sein Gefühl im Middle Management so: Er führt sein Team, motiviert es, löst Probleme, und muss gleichzeitig den Erwartungen der Geschäftsführung gerecht werden, die zum Beispiel ein seit Monaten laufendes Projekt kurz vor dem Launch stoppt oder selbst wieder anfängt, Kunden direkt anzuschreiben, obwohl das eigentlich Aufgabe des Teams war. Dieses Gefühl, von zwei Seiten gleichzeitig gefordert und dabei zerrieben zu werden, ist kein Einzelfall.

In einer Erhebung aus 2025 berichteten 45 Prozent der mittleren Führungskräfte von Burnout, mehr als jede andere Gruppe im Unternehmen, mehr als Einzelbeitragende und mehr als das obere Management. Quelle: branchenweite Erhebungen 2025, siehe Quellenverzeichnis am Ende dieses Guides

Eine Untersuchung von Perceptyx ordnet das genauer ein. 39 Prozent der Führungskräfte berichten von steigendem Druck aus der Geschäftsführung, 37 Prozent von steigendem Druck aus dem eigenen Team, fast gleich verteilt. Genau diese Sandwichposition beschreiben viele Coachees im Middle Management, wenn sie von ihrem Alltag erzählen.

Diese Belastung ist kein Randthema. Gallup zeigt seit Jahren, dass Führungskräfte für rund 70 Prozent der Unterschiede im Engagement ihrer Teams verantwortlich sind. Wie es dir im Middle Management geht, wirkt sich also direkt auf dein ganzes Team aus, nicht nur auf dich selbst.

Die folgenden sieben Ansatzpunkte begleiten dich dabei, aus der Sandwichposition wieder Handlungsspielraum zu gewinnen. Jeder Punkt verbindet eine kurze Einordnung mit konkreten Schritten und einer Reflexionsfrage für dich.

Die sieben Ansatzpunkte
1

Die eigene Sandwichposition benennen

Warum es zählt: Solange der Druck aus zwei Richtungen namenlos bleibt, wirkt er wie persönliches Versagen. Er ist aber ein strukturelles Muster, das die meisten mittleren Führungskräfte kennen.

  • Beschreibe schriftlich, von welchen zwei Seiten aktuell der größte Druck kommt.
  • Unterscheide bewusst zwischen Druck, den du beeinflussen kannst, und Druck, den du nur moderieren kannst.

Reflexionsfrage: Wie viel meiner aktuellen Erschöpfung kommt tatsächlich von der Aufgabe, wie viel von der Position dazwischen?

2

Konsequent nach oben kommunizieren

Warum es zählt: Middle Manager kommunizieren meist intensiv nach unten, aber selten aktiv nach oben. Wer Erwartungen an die Geschäftsführung nicht klar äußert, bleibt reiner Empfänger von Entscheidungen.

  • Melde Status und Risiken proaktiv an die Geschäftsführung, statt nur auf Nachfrage zu reagieren.
  • Benenne konkret, was du von der Geschäftsführung brauchst, um dein Team wirksam zu schützen.

Reflexionsfrage: Wann habe ich der Geschäftsführung zuletzt aktiv gesagt, was ich brauche, statt nur zu liefern?

3

Kurswechsel von oben professionell auffangen

Warum es zählt: Wenn die Geschäftsführung kurzfristig eingreift oder selbst operativ wird, geraten mittlere Führungskräfte zwischen die Fronten. Wie sie das gegenüber dem Team einordnen, entscheidet über das Vertrauen im Team.

  • Ordne kurzfristige Kurswechsel gegenüber dem Team sachlich ein, statt die eigene Frustration ungefiltert weiterzugeben.
  • Sprich die Wirkung solcher Eingriffe offen gegenüber der Geschäftsführung an, wenn sie das Team demotivieren.

Reflexionsfrage: Wie spreche ich mit meinem Team über Entscheidungen der Geschäftsführung, die ich selbst nicht nachvollziehen kann?

4

Konsequent delegieren, statt selbst zum Flaschenhals zu werden

Warum es zählt: Nur 19 Prozent der Führungskräfte zeigen laut DDI ausgeprägte Delegationsfähigkeiten. Unter Druck ziehen viele mittlere Führungskräfte Aufgaben genau dann an sich, wenn sie sie am dringendsten abgeben müssten.

  • Liste Aufgaben, die du zuletzt selbst übernommen hast, obwohl sie im Team liegen sollten.
  • Übergib deinem Team klare Entscheidungsspielräume, statt jede Entscheidung an dich zu ziehen.

Reflexionsfrage: Wo verhalte ich mich selbst wie die Geschäftsführung, die ich manchmal kritisiere?

Die sieben Ansatzpunkte, Fortsetzung
5

Meeting- und Verwaltungslast aktiv begrenzen

Warum es zählt: Der Microsoft Work Trend Index 2025 zeigt, dass Führungskräfte einen unverhältnismäßig großen Teil ihrer Zeit in Meetings und Verwaltung verbringen, mit entsprechend weniger Kapazität für Coaching und strategisches Denken.

  • Prüfe wöchentlich, welche Meetings wirklich deine Anwesenheit brauchen.
  • Reserviere feste Zeitblöcke für Entwicklung und Coaching deines Teams, nicht nur für Verwaltung.

Reflexionsfrage: Wie viel meiner Woche geht in Meetings und Verwaltung, wie viel in echte Führung meines Teams?

6

Die eigenen Erschöpfungssignale ernst nehmen

Warum es zählt: 71 Prozent der Führungskräfte berichten laut DDI von deutlich gestiegenem Stress, bei mittleren Führungskräften kommt oft die Unsicherheit über die eigene Zukunft der Position hinzu.

  • Schätze deine Belastung regelmäßig ehrlich ein, statt sie wegzulächeln.
  • Such dir frühzeitig externe Unterstützung, zum Beispiel Coaching, statt erst im Erschöpfungszustand.

Reflexionsfrage: Wann habe ich mir zuletzt eingestanden, dass mich die Doppelbelastung erschöpft?

7

Das eigene Team vor der eigenen Unsicherheit schützen

Warum es zählt: Führungskräfte prägen laut Gallup rund 70 Prozent der Unterschiede im Engagement ihrer Teams. Eigener Druck, der ungefiltert nach unten weitergegeben wird, trifft das ganze Team.

  • Lebe eigenen Frust nicht direkt vor dem Team aus, auch wenn er berechtigt ist.
  • Signalisiere deinem Team bewusst Stabilität, gerade wenn oben viel in Bewegung ist.

Reflexionsfrage: Was spürt mein Team gerade von meinem eigenen Druck, ohne dass ich es ausspreche?

Orientierung

Die Sandwichposition im Überblick

Diese sieben Punkte ersetzen keine Erfahrung. Sie geben dir Struktur, an der du dich in unsicheren Momenten orientieren kannst. Im Folgenden eine Einordnung, was von wo kommt, und was tatsächlich in deiner Hand liegt.
Druck von oben
  • Kurzfristige Kurswechsel und Zielverschiebungen, ohne Rücksprache mit dir.
  • Das Gefühl, dass nur Ergebnisse zählen, der Weg dorthin aber nicht gesehen wird.
Druck von unten
  • Die Erwartung, dass du dein Team vor Unsicherheit von oben schützt.
  • Der Bedarf an Zeit für Entwicklung und ehrliches Feedback, die im Alltag oft fehlt.
Was du beeinflussen kannst
  • Wie klar und wie oft du aktiv nach oben kommunizierst.
  • Wie konsequent du delegierst und Prioritäten für dein Team schützt.
Was du bewusst loslassen darfst
  • Der Anspruch, jede Entscheidung von oben nachvollziehen zu müssen.
  • Der Anspruch, jede Unsicherheit im Unternehmen selbst auffangen zu müssen.
Fallstricke im Blick

Vier Muster, die die Sandwichposition verschärfen

Die folgenden vier Muster tauchen in Führungsforschung ebenso auf wie in meiner eigenen Coachingpraxis, immer wieder bei Führungskräften im Middle Management.

Frust ungefiltert nach unten weitergeben

Ähnlich wie Eingriffe von oben das Vertrauen des mittleren Managements untergraben, untergräbt ungefilterter Frust nach unten das Vertrauen des eigenen Teams. Der Mechanismus ist derselbe, nur eine Ebene tiefer.

Alles allein auffangen wollen

Nur 19 Prozent zeigen laut DDI ausgeprägte Delegationsfähigkeiten. Wer versucht, Druck von oben und unten allein zu absorbieren, wird selbst zum Engpass.

Erwartungen nicht nach oben spiegeln

Schweigen gegenüber der Geschäftsführung lässt Missverständnisse wachsen, statt sie früh zu klären. Managing up ist eine Fähigkeit, die aktiv trainiert werden darf.

Die eigene Erschöpfung als Normalzustand akzeptieren

71 Prozent berichten laut DDI von deutlich gestiegenem Stress. Viele mittlere Führungskräfte warten zu lange, bevor sie sich Unterstützung holen.

Nächster Schritt

Wenn du aus der Sandwichposition heraus willst

Dieser Guide gibt dir Struktur für den Alltag im Middle Management. Manche Fragen lassen sich trotzdem leichter im Gespräch klären als allein auf dem Papier, besonders wenn es um deinen eigenen Handlungsspielraum geht.

In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam auf deine aktuelle Situation im Middle Management und klären, ob Coaching der richtige nächste Schritt für dich ist.

Ich begleite seit 2020 Führungskräfte im Einzel- und Gruppencoaching auf ihrem Weg zu mehr Klarheit und Handlungsspielraum in ihrer Rolle.

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Über den Autor

Thorben Schütt

Ich bin seit 2017 Geschäftsführer der BGM³ GmbH und seit 2020 zusätzlich Coach für Führungskräfte, im Einzel- und Gruppencoaching. Als NLP Practitioner, NLP Master und NLP HypnoCoach verbinde ich psychologisch fundierte Methoden mit praktischer Erfahrung aus eigener Unternehmensführung. Als Coach, Mentor und Geschäftsführer der CoA Leadership Academy habe ich zahlreiche Führungskräfte im Einzel- und Gruppencoaching sowie im Mentoring begleitet, viele davon im Middle Management, genau in der Sandwichposition, die dieser Guide beschreibt.

Quellenverzeichnis

Für alle Zahlen und Studien in diesem Guide