Über mich
Der Abend, an dem mir die Beine wegsackten.
Es gab eine Zeit, in der ich nach außen genau das war, was ein Geschäftsführer sein soll.
Belastbar, entscheidungsfreudig, immer einen Schritt voraus. Ich war überzeugt, dass Stärke
bedeutet, keine Fragen an sich selbst zu stellen. Ich habe eine schwierige Geschäftsbeziehung
gehalten, obwohl sie mich innerlich längst aufgezehrt hat. Ich wusste damals nicht, dass ich
gegen meine eigenen Werte handelte. Ich kannte sie nicht einmal bewusst. Ich habe einfach funktioniert.
Der Preis dafür kam nicht als klarer Gedanke. Er kam als mentale Erschöpfung, und irgendwann
als körperliches Symptom. Ich habe die Warnzeichen wegerklärt, wieder und wieder, weil ich glaubte,
ein guter Geschäftsführer hält einfach durch.
Der Moment, der alles verändert hat, kam nicht in einem Meeting. Er kam auf dem Weg ins
Kinderzimmer meines Kindes, an einem ganz normalen Abend. Mir sackten die Beine weg.
Nicht wegen einer Krankheit. Wegen einer Geschäftsbeziehung und einer Rolle, die nicht mehr
zu dem passten, wer ich sein wollte.
Ich habe die Geschäftsbeziehung beendet und bin als Geschäftsführer und Gesellschafter
aus dem Unternehmen ausgeschieden. Am nächsten Tag waren alle Symptome verschwunden.
Ich fühlte mich frei, klar und sicher, zum ersten Mal seit langer Zeit.
Wenig später habe ich eine Coaching Ausbildung begonnen und eine Methode gelernt, mit der ich
meine eigenen Werte ermitteln und priorisieren konnte. Erst da wurde mir vollständig klar,
wieso ich mich in dieser Zeit so gefühlt hatte. Meine Werte waren die ganze Zeit mein Kompass,
und ich hatte ihn einfach nicht gelesen.
Wenn wir gegen unsere eigenen Werte entscheiden, zahlt irgendwann der Körper die Rechnung,
die der Verstand lange ignoriert hat.
Heute begleite ich Führungskräfte und Entscheider genau an diesem Punkt, bevor die Beine
tatsächlich wegsacken. Nicht über Monate, sondern in wenigen fokussierten Stunden, in denen
wir sichtbar machen, was in ihnen längst vorhanden ist. Ihre eigenen Werte, klar priorisiert,
als Kompass für jede Entscheidung, die noch kommt.
Wenn ich nicht coache, verbringe ich Zeit mit meiner Familie und unseren beiden
Australian Shepherds. Reisen, Sport und Fotografie geben mir Ausgleich.